Preisträger

Titel der Arbeit

Fach

Schule

2015




Marina Maccari

Der Tod in Venedig - Gestaltung des Todesmotivs

Deutsch

Christoph-Scheiner Gymnasium

Begründung



Als der Komponist und langjährige Chef und Dirigent der Wiener Staatsoper Gustav Mahler 1911 in Paris starb, geschah dies unter größter Anteilnahme im europäischen Kulturleben. Auch Thomas Mann, der Gustav Mahler persönlich begegnet und tief beeindruckt von dessen Persönlichkeit war, erwies sich als so betroffen, dass er dem Protagonisten seiner gerade entstehenden Novelle Der Tod in Venedig, Gustav von Aschenbach, die charakteristischen physiognomischen Züge des Komponisten Gustav Mahler verlieh.

So war die Novelle von Anfang an mit dem Phänomen des Todes und auch mit anderen Elementen der Wirklichkeit verbunden: Sie erzählt, wie der Schriftsteller Gustav von Aschenbach in Venedig Erholung und Inspiration für seine Arbeit an verschiedenen Werken sucht, an denen sich sein Schöpfer Thomas Mann in der Realität selbst aufreibt. Gustav von Aschenbach gerät in den Sog einer pädophilen Zuneigung zu dem polnischen Knaben Tadzio, der ihn schließlich die Gefahr der in Venedig wütenden Cholera missachten lässt und am Ende in den Tod treibt. Der hier in einem Satz zusammengefassten Handlung liegen vielfältige innerfiktionale Beziehungen zugrunde.

Thomas Mann durchdachte in seinem autobiographischen Lebensabriß den Begriff "Beziehungen". Er sagte, er liebe dieses Wort: Beziehung und fand, das es für ihn mit dem Begriff des Bedeutenden zusammenfalle. "Das Bedeutende", so schrieb er, "das ist nichts weiter als das Beziehungsreiche".

Marina Maccari hat in ihrer Seminararbeit "Der Tod in Venedig - Gestaltung des Todesmotivs" das Bedeutende, das Beziehungsreiche der Novelle Der Tod in Venedig unter dem Motiv des Todes sorgfältig herausgearbeitet. Sie zeigt, wie einzelne Figuren - der Wanderer, der Gondoliere, der Kartenverkäufer, der Greis, der Gitarrist und auch der polnische Knabe Tadzio - durch ein feinstmaschiges Geflecht von Merkmalen verschiedenster Art zusammenhängen und alle gemeinsam scheinbar nur ein einziges Ziel haben, nämlich dem Schriftsteller Gustav von Aschenbach den Tod anzukündigen. Marina Maccari hat dies mit großer Akribie, mit Begeisterung und Lesegenauigkeit und auch mit Empathie mit den Figuren der Novelle einschließlich des Protagonisten Gustav von Aschenbach, in hervorragender Weise getan. Sie selbst sagt in ihrem Fazit (S. 16): "Der Tod in Venedig ist trotz der eigentlich ereignisarmen Handlung dank der vielen Zusammenhänge zwischen den Kapiteln ein faszinierendes Werk. Das Erarbeiten und Begreifen dieser Verbindungen macht das Werk spannend und ermöglicht ein tieferes Verständnis, das über das Erfassen des Inhaltes hinausgeht."

Thomas Mann wie überhaupt jedem Author von literarischer Bedeutung kann man solche Leserinnen und Leser, die hinter die Kulissen der erzählten Inhalte zu blicken verstehen, nur wünschen. Dass auch sehr junge Menschen unserer heutigen digitalen und oft oberflächlichen twitternden, simsenden und mailenden Gegenwart die Lust und die Fähigkeit haben, dies zu tun, ist bemerkenswert.

Marina Maccari hat die relevante Sekundärliteratur gründlich durchgearbeitet und sie zu ihren eigenen, durchaus selbständigen Analysen in Beziehung gesetzt. Das Beziehungsgeflecht, dem Thomas Mann so große Bedeutung beimaß, hat sie in seinen feinsten Verästelungen nachvollzogen und überzeugend und auch stilistisch gelungen dargestellt. Die Jury war von den herausragenden Qualitäten dieser Interpretation so beeindruckt, dass sie ihrer Verfasserin Marina Maccari den 1. Rang des Ingolstädter Abiturpreises 2015 zuerkennen möchte.

Herzlichen Glückwunsch!

Die Jury

i.A. Dr. Brigitte König
   
Waffenring Ingolstadt - Datum: 19.06.2018 - - Impressum