Preisträger 2017

Titel der Arbeit

Fach

Schule

Henning Seeger

Computerspielsucht bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Biologie

Gnadenthal-
Gymnasium





Nominierte des Abiturpreis 2017 mit alt-OB Peter Schnell

Laudatio für den Preisträger Herrn Henning Seeger

Henning Seeger vom Gnadenthal-Gymnasium hat seine Arbeit im Fachbereich Biologie vorgelegt. Das Rahmenthema des Seminars lautete: Sucht und Drogen. Das Seminar setzte sich zum Ziel, über zwanghafte, ja sogar krankhafte Abhängigkeit von Stoffen oder Verhaltensweisen zu informieren, die Abhängigkeitspotenziale und Gesundheitsgefahren richtig einzuschätzen und dieses Wissen an andere weiterzugeben.

Unter dieser Prämisse verfasste Henning Seeger seine Arbeit mit dem Titel Computerspielsucht. Bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In einer grundlegenden Vorüberlegung, die sich auf teils divergierende Resultate von Studien verschiedener nationaler und internationaler Forschungsinstitute stützt, stellt sich der Verfasser Fragen nach Zeitaufwand bei Computerspielen, nach Gründen für suchtartige Verhaltensweisen auf diesem Gebiet und nach möglichen Strategien, Jugendliche und junge Erwachsene vor dem Abgleiten in Suchtverhalten zu bewahren.. Um sich der Beantwortung dieser Fragen nähern zu können, stellt er zunächst ausführlich die Systematik der Computerspiele dar. Dieses Kapitel, das wie die ganze Arbeit auch sprachlich und strukturell klar und einleuchtend aufgebaut ist, stellt die verschiedenen Genres und Plattformen von Spielen dar. Auch inhaltlich unterscheiden sich die Spiele etwa in Abenteuer, Action, Gelegenheitsspiele und manche anderen Genres, die sich zunehmend auch vermischen. Henning Seeger konzentriert sich dann auf das Genre MMORPG; hinter dieser Abkürzung verbirgt sich die Bezeichnung "Massively Multiplayer Online Role-Playing Game (dt. etwa "Riesiges Mehrspieler-Online-Rollenspiel"), ein Spiel, an dem sehr viele Spieler weltweit interaktiv beteiligt sind. Gerade dieses Genre führt zu besonderer Häufigkeit von exzessivem oder suchtartigem Spielverhalten.

Was aber ist nun suchtartiges Verhalten? Da ist sich die Wissenschaft noch nicht einig, wie Henning Seeger an Hand von umfangreichem Quellenmaterial aus medizinischem, psychologischem und soziologischem Bereich ausführt. Hier stützt er sich in besonderem Maße auf ein kognitiv-behaviorales Behandlungsmanual für Computerspiel- und Internetsucht. Er schildert ausführlich lern-psychologische und neurobiologische Entstehungsursachen und persönlichkeits-, umwelt- und suchtbezogene Risikofaktoren. Wichtig für die Spieler wäre zu erkennen, dass bestimmte Computerspiele, nämlich besonders die des erwähnten Genres MMORPG, mit Belohnungssystemen, sozialen Systemen, der Strukturierung von Spielwelten, Bezahlsystemen die Benutzer dazu verführen, sich möglichst häufig und möglichst langandauernd in das Spiel einzuklinken, um dadurch bestimmte Vorteile zu erlangen. Bedenklich ist auch die Tatsache, dass in sogenannten Ingame Shops Items gekauft werden müssen, die den persönlichen Erfolg befördern oder erst ermöglichen. Wenn die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sich über diese verkaufsorientierten Strategien der Game-Anbieter im klaren wären, könnte dies manches Abgleiten in Suchtverhalten und damit einhergehende gesundheitliche und soziale Beschädigungen verhindern. Insofern trägt die Arbeit Henning Seegers zum Ziel des ganzen Seminars bei, nämlich das Wissen um die Gefahren weiterzugeben.

Henning Seeger geht nun einen Schritt weiter und wendet seine Erkenntnisse kreativ auf ein aktuelles Spiel an, nämlich auf das populäre Onlinerollenspiel bzw. Augmented-Reality-Spiel Pokémon Go. Der Verfasser beschreibt anschaulich und mit Abbildungen illustrierend den Verlauf dieses Spiels und analysiert es dann gemäß den im allgemeinen Teil beschriebenen Belohnungssystemen, sozialen Systemen, der Spielwelt und dem Bezahlsystem. Er kommt zu dem Schluss, dass das Abhängigkeitspotential von Pokémon Go etwas geringer ist als bei anderen MMORPG-Spielen, dass aber abhängigkeitsfördernde Merkmale zu exzessivem Spielverhalten führen können. Als besonders problematisch stuft er das Bezahlsystem ein. In einem weiteren Kapitel widmet sich Henning Seeger ausführlich dem Diagnose- und Therapieansatz, wie er von der Ambulanz für Spielsucht am Uniklinikum Mainz entwickelt wurde, und führt präventive Maßnahmen an. Abschließend gibt Henning Seeger ein Interview wieder, das er mit Daniel Matasic von der Caritas-Suchtambulanz Ingolstadt führte.

Hilfreich ist ein Glossar am Schluss der Arbeit, das Begriffe aus der Computer-Spielwelt klärt.

Die umfangreiche Recherchetätigkeit, die für diese Arbeit erforderlich war, die ausgezeichnete Darstellung des Problems Computerspielsucht in all seiner Komplexität, die Klarheit der Beschreibung eines bestimmten Genres und die Anwendung der gewonnenen Erkenntnisse auf das zur Zeit der Abfassung der Arbeit gerade auf den Markt gelangte Smartphone-Spiel Pokémon Go, vor allem aber auch die Relevanz des Themas für aktuelle Entwicklungen der angesprochenen Problematik haben die Jury veranlasst, den diesjährigen Abiturpreis an Henning Seeger zu verleihen.

Dr. Brigitte König

   
Waffenring Ingolstadt - Datum: 24.06.2018 - - Impressum